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DEZ
2016
AVID Acutus SP: laut FIDELITY "ein traumhafter Plattenspieler"

Die Redaktion des High End-Magazins FIDELITY testete in der Ausgabe 29 (Januar/Februar 2017) das Flaggschiff der AVID Analoglaufwerke namens Acutus SP und geizte nicht mit Superlativen. Hier zum Einstieg einige Beispiele: "Aufbau nach Bilderbuch", "Glanz und Gloria", "ein traumhafter Plattenspieler" und "Wenn aus Wackelpudding Götterspeise wird, ist es ein AVID". Wir zitieren hier nur einen Teil des Hörtests, für mehr lohnt sich unbedingt der Kauf des Magazins.

 

"Wie eingangs schon vermutet, präsentiert der Acutus seine Qualitäten, die in der Laufruhe und sehr transparenten Darstellung liegen, bereits mit dem günstigen Nagaoka-System. Dennoch machte er mit dem Einbau des DaVinci einen gewaltigen Satz nach vorne. Mit dem leider sehr teuren MC-Überflieger konnte es sich standesgemäß beweisen. Und wie! Während des Testzeitraums lief häufiger Johnny Cashs Legende um den übermenschlich starken Eisenbahnarbeiter John Henry und dessen Hammer von einer Embassy-Compilation namens ‚Names And Places’, deren Cover mit Informationen geizt. Eine ambitionierte Aufnahme aus den Siebzigern mit tiefer Räumlichkeit, die wie eine szenische Lesung wirkt: Von schwerem Keuchen begleitete metallische Hammerschläge eröffnen das Bild. Sie werden von den Tennessee Three dankbar aufgenommen, und im typischen Boom-Chicka-Boom nimmt die Eisenbahn von dampfendem Zischen stimmungsvoll begleitet Fahrt auf. Ein fieser und arroganter Vorarbeiter von rechts, warnende Rufe von links aus einem Pulk von Arbeitern, ein unheilvoller Chor aus dem Hintergrund, zwischen den Strophen ‚Regieanweisungen’ von Johnny Cash. Und ein großes Finale: ‚Yonder lies a steel driving man’, betrauern engelsgleiche Stimmen die Tragödie am ersten Tag seines Lebens, an dem John Henry nicht mit der Sonne aufstehen konnte. Da kann man schon mal einen Kloß im Hals verspüren, vor allem, wenn das uramerikanische Industrialisierungsdrama so authentisch dargestellt wird. Im Vergleich zum MP-ISO zieht das DaVinci die einzelnen Schallereignisse ganz gehörig auseinander, platziert sie dreidimensional wie in einer Kulisse. Die Zurufe der Arbeiter erhalten herausragende Dringlichkeit, die Provokation des Vorarbeiters entlarvt sich mit dem ersten verschlagenen Wort aus seiner Kehle. Wenn einen am Ende die Engel umgarnen, wird es möglicherweise melodramatisch, aber auch unmöglich, sich zu entziehen.

 

Natürlich ist dieser Vergleich unfair für das japanische MM-System, aber es geht ja auch nicht um Tonabnehmer, sondern um den Plattenspieler. Mit dem Clearaudio-System zeigt der Acutus seine ganze Klasse. Der einfache, aber doch immer wieder verschleppte Rhythmus des Stahlrosses lässt einen förmlich über jede Gleisschwelle hüpfen, John Henrys Hammer hallt jetzt funkensprühend nach, man glaubt die Luft spüren zu können, die er beim Ausholen nachzieht, das Keuchen des amerikanischen Helden der Arbeit klingt nicht mehr gequält, sondern kraftvoll. Die ganze Szenerie gleicht zwar immer noch einem Kammerspiel, aber einem unter der heißen Sonne über der Prärie New Mexicos und mit Engeln zum Anfassen.

 

Der Acutus SP verfügt über erstaunliche Reinheit im Ton, er verschleppt keine Einsätze und zittert nicht nach, obwohl er statisch so fragil ist. Rhythmus und Timing sind ohne Abstriche auf Höhe der besten Subchassis-Laufwerke, aber er bietet auch ein stupendes Fundament mit feinsten farbigen Abstufungen, wie es nur analog geht und wie es meist eine Domäne von Masselaufwerken ist. Diesbezüglich sollte man sich nicht von vermeintlicher Zurückhaltung blenden lassen: Auch wenn Massedreher dieser Preisklasse sich mit mehr Donnerhall in Szene setzen, zeigt der Acutus fein- und grobdynamisch exakt, was Sache ist – ganz ohne Nachhall. Mit kompromissloser Unnachgiebigkeit präsentiert er sich von seiner weichen und fließenden Seite. Ein traumhafter Plattenspieler."

 

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