04
JUL
2016
AVID DIVA II SP: "klanglich großartig" und "eine Wucht" im Test des lite-magazin.de

"Damit wären wir dann auch beim spannendsten Teil des Checkups, dem Praxis- und Hörtest. Dieser lief diesmal allerdings etwas anders ab als gewohnt, da ich neben dem DIVA II SP noch die 'einfache' Version des DIVA zur Verfügung hatte – meinen privaten Plattendreher, mit dem ich in meiner Freizeit höre. Möglicherweise bin ich also nicht ganz unvoreingenommen, was die Qualität von AVID-Plattenspielern angeht. Zugleich eine tolle Gelegenheit den DIVA II schrittweise zum DIVA II SP aufzurüsten, um jegliche Veränderung tatsächlich nachvollziehbar zu machen. Zunächst beginne ich damit, den DIVA um das größere Netzteil zu erweitern. Ein Vorgang, der mich ob der deutlichen Veränderung im Klang in Erstaunen versetzt und sich in feiner aufgelösten Höhen und deutlich mehr Kontur im Bass darstellt. Zugleich halbiert sich die Schwankungsbreite um die Solldrehzahl auch messbar, was sich mittels Smartphone-App 'rpm' graphisch sehr schön darstellen lässt. Als nächstes wechsele ich vom leichten Holz-Plattenteller auf den schweren Aluminium-Teller und das zugehörige Lager des 'SP'. Eine Angelegenheit, die durch die beiden verdeckten, direkt auf den Teller wirkenden Riemen durchaus fummelig sein könnte. Ist sie aber dank einer cleveren Lösung der Briten nicht: Die beiden Riemen werden an einem kleinen Stift, der außen in den Teller gesteckt wird, vorgespannt. So legen sie sich um das Motorpulley, sobald der Plattenteller aufgesetzt und um ein paar Zentimeter gedreht wird. Anschließend wird der Stift vorsichtig entfernt, fertig. Nun also Platte auflegen, Klemme festziehen und 'Play' drücken. Die beiden Riemen nehmen nun begeistert ihre Arbeit auf, quietschen einmal kurz vor Freude und beschleunigen den Teller innerhalb von ca. zwei Sekunden auf Nenndrehzahl.

 

Meine Ohren freuen sich ebenfalls, denn besonders im Bass verbessern sich Durchzug und Dynamik nun merklich. Und auch höhere Tonlagen gewinnen deutlich vom Teller mit höherer Massenträgheit und erscheinen nochmals präsenter und sauberer. Und während ich bei meinem Diva – mit kleinerem Netzteil und Holzteller – noch gelegentlich unsauber ausschwingende Töne feststellen kann, sind dem SP solche 'Nachlässigkeiten' absolut fremd! Mit stoischer Ruhe zieht der große DIVA nun unbeirrt seine Kreise. Beeindruckend! Fehlt also noch der Tonarm. Der Wechsel gelingt durch die tolle Anleitung und die tatsächlich einfache Justage spielerisch, so dass ich nach wenigen Minuten auch gleich weiterhören kann. Beim Weiterhören geht mir dann ein Licht auf, denn nun scheint das Paket wirklich komplett. Der SME 309 passt mit seiner natürlichen und völlig leichtfüßigen Spielweise perfekt zum quirligen aber durchzugsstarken AVID DIVA. Im direkten Vergleich zum Rega RB301 löst sich der Klang noch einmal merklich von den Lautsprechern und steht nun tatsächlich frei im Raum. Selbst feinste Nuancen, wie das Ausschwingen von Gitarrensaiten, bildet die Kombination aus DIVA II SP und SME 309 detailliert und mit fast holographischer Räumlichkeit ab. Dafür braucht es nichtmal einen exorbitant teuren Tonabnehmer. Das altbekannte Denon DL103 oder das hervorragende Nagaoka MP-150 genügen hier völlig. So wurde Coldplays 'A Rush Of Blood To The Head' für mich zu einer echten Überraschung. Dieses Album besitze ich zwar schon seit Jahren, habe es aber schon ewig nicht mehr gehört, da ich es klanglich nie besonders mochte. In meiner Erinnerung bestand das Album aus einem undifferenzierbaren und bassarmen Klangbrei, gespielt aus einer nicht erkennbaren Anzahl an Instrumenten. 'Typisches Coldplay-Geschrammel', dachte ich immer. Was aber tatsächlich auf dieser Platte enthalten ist, erfahre ich nun erst durch den DIVA II SP, denn auf einmal ist doch Bass drauf und auch die verschiedenen Instrumente lassen sich plötzlich wunderbar differenzieren. Gitarre, Bass, Schlagzeug und Piano – alles da und fein säuberlich voneinander getrennt. Geschuldet ist Letzteres wohl der tollen Räumlichkeit, die alle AVID-Plattenspieler auszeichnet und die sie in ihrem Klangcharakter vereinen.


Zum Schluss noch eine gute Nachricht für alle Besitzer eines 'normalen' DIVA II (ohne SP): Es gibt ein Update auf den DIVA II SP! Und zumindest in meiner weiteren HiFi-Planung ist das jetzt fest vorgesehen.

 

Fazit

Der AVID DIVA II SP ist eine Wucht von einem Plattenspieler. Optisch futuristisch gestaltet, technisch aussergewöhnlich und obendrein hervorragend verarbeitet, leistet er auch klanglich Großartiges. Besonders in Verbindung mit dem erstklassigen SME 309 ergibt sich eine Kombination, bei der man als Analog-Enthusiast schnell schwach werden kann.

 

Klang: 98 %
Praxis: 95 %
Ausstattung: 95 %
Preis/Leistung: sehr gut"

 

 

Lesen Sie hier den gesamten Test

Download des Tests als PDF-Dokument