20
APR
2016
AVID DIVA II SP: Supertest bei hifistatement.net

"Wenn man die im Laufe der Jahre in den internationalen Fachzeitschriften erschienen Testberichte über Avid-Laufwerke gelesen hat, so erinnert man sich, dass immer wieder von einer bestechenden Rhythmik zu lesen war. Genau dieser Eindruck erschloss sich auch mir auf Anhieb. Diesen Aspekt halte ich für ungeheuer bedeutsam, da er auch die Spielfreude und das dynamische Verhalten betrifft. So waren denn die beiden Sänger Ingram Washington auf Sweet ´N´ Low und Gregory Porter mit Be Good mit einer bestechenden Präsenz und Prägnanz wie selten zu hören. Auch Kari Bremnes betörender Auftritt auf Over En By hatte ungeahnten Verve – weghören war nicht möglich. Es ist ja nicht ganz einfach, aus dem Setup von Laufwerk, Tonarm und Tonabnehmer die Charakterzüge des Laufwerks zu erkennen. Aber schnell wird klar, dass der Diva II SP ein wirklich sehr stimmiges Gesamtergebnis liefert. Es mag teurere Plattendreher geben, die noch etwas mehr Raumtiefe vor noch schwärzeren Hintergrund abbilden. Schließlich sind wir mit diesem Exemplar ja auch erst im Mittelfeld des Avid-Portfolios. Umso erfreulicher empfinde ich die Selbstlosigkeit, mit der der Avid die Musik inszeniert. Wie bei kaum einem anderen Plattenspieler, hatte ich das Gefühl: Der ist gar nicht da. Das ist leicht zu erklären: Er macht einfach nur Musik. Der Diva II SP ist in hohem Grade neutral, bringt keine übertriebene Ruhe in die Musik und puscht andererseits nicht ungerechtfertigt auf. Die tonale Neutralität befähigt ihn, die Charakteristika von Tonarm und Tonabnehmer zur Entfaltung zu bringen und deren Stärken und Schwächen auszuloten. Positiv überrascht hat mich auf dieser Avid-Konfiguration die Darbietung von Mahalia Jacksons Newport 158, Columbia CS 8071: Sehr dynamisch und kraftvoll standen Gesang und Band im Raum. Bei dieser kritischen Aufnahme sind schon einige Spieler geradezu versumpft.

 

Pop und Rock kann das Diva II SP Set vorzüglich aufbereiten, nämlich sowohl fein- als auch grobdynamisch packend. So blieb Hearbeat City der Cars von 1984 stets transparent und gleichzeitig reich an Klangfarben. Auf Lou Reeds Transformer hörte ich Details, die ich nicht mehr in Erinnerung hatte. Sehr schön ausgewogen empfand ich Jazz-Stücke wie 'Witchi-Tai-To' von Jan Garbarek und Kollegen. Palle Danielssons Bass knarzte trocken und plastisch, wurde nie fett und ließ den Mitspielern Bobo Stenson und Jon Christensen genug akustischen Raum, sich zu entfalten. Ich kann über den Diva II SP wirklich ins Schwärmen geraten, und zwar wegen seiner Art, sich akustisch nicht einzubringen. Auch mag ich mir durchaus vorstellen, dass die Bestückung mit einem etwas weniger hochkarätigen Tonarm als dem SME IV immer noch musikalisch sehr stimmig bleibt und den Einstiegspreis attraktiver macht. Beim Tonabnehmer würde ich bei diesem Laufwerk stets an die Grenzen des subjektiv Machbaren gehen, da der Diva II SP dessen Qualitäten sehr deutlich zu Gehör bringt. Abschließend sei noch erwähnt, dass die Handhabung der pfiffigen Plattenbefestigung kinderleicht ist und auch leicht welliges Vinyl etwas beruhigt – so geschehen bei meiner David Bowie The Man Who Sold The World von 1972, die auch unglaublich toll klang.

 

Statement
Wer sich für den Avid Diva II SP entscheidet, hat eine hervorragende Wahl getroffen. Es dürfte schwer möglich sein, einen Plattenspieler mit vergleichbarer Stimmigkeit in Rhythmus, Spielfreude, Ruhe, Stabilität und Dynamik zu diesem Preis zu finden."

 

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