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DEZ
2016
AVID Sequel SP: Supertest bei image hifi

Das High End-Magazin "image hifi" testet in seiner Ausgabe 1/2017 das Analoglaufwerk AVID Sequel SP und zeigt sich begeistert:

 

"Nicht ganz unerwartet schlägt der Sequel SP klanglich in dieselbe Kerbe wie sein kleiner Bruder, den ich vor einem Jahr zu Besuch hatte – soll heißen, er klingt eher ‚nicht’: Eine Klangbeschreibung mittels positiv besetzten Begriffen, die letztlich eine Abweichung von der Klangneutralität ausdrücken, ist schlichtweg nicht möglich. Kategorien wie ‚hart’ oder ‚weich’, ‚hell’ oder ‚dunkel’, ‚analytisch’ oder ‚schönfärberisch’ kann man hier daher vergessen. Gleichwohl lassen sich deutliche Unterschiede zwischen dem Kleinsten der Laufwerksfamilie und dem hier besprochenen Testobjekt feststellen, das sich ja nur eine Stufe unter dem Spitzenmodell Acutus befindet.

 

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Im Wesentlichen sind die Unterschiede darauf zurückzuführen, dass die untere Schwelle des Dynamikbereiches bei jedem höheren Avid-Level jeweils tiefer liegt. Das beginnt schon damit, dass der Sequel eine überragende Laufruhe aufweist. Nicht nur ist von den Lagern und dem Antriebsmotor nur Totenstille zu vernehmen, auch die Nadel meines SPU gleitet um einiges leiser durch die Rillen als gewohnt. Eine Beobachtung mit Ausrufezeichen.

 

Das alles ist aber nur der Anfang. Das The-Cure-Album ‚Pornography’ kommt allzu oft als nahezu undurchdringlicher Brei aus Hall, Fetzen von Gitarre, Gesang und quasi dicht gemauerten Arrangements daher – wenn die Stücke aber wie auf der Avid-SME-Kombi ihre volle Dynamik entfalten können, gerade auch im Kleinstsignalbereich‚ wenn Stimme und Instrumente sich klar voneinander und vom zugemischten Nachhall absetzen, präsentiert sich das Album weit zugänglicher und eingängiger. Das Schaffen von Ordnung und die Offenlegung von Strukturen geht aber nicht auf Kosten seiner atmosphärischen Dichte und Farbpalette – der Sequel ist beileibe kein Zuchtmeister, der Ordnung dadurch herstellt, dass er reduziert und ausbleicht. Stimmen jeglicher Art werden in ihrer Eigenständigkeit akribisch herausgearbeitet, sodass es einem leichtfällt, den Interpreten und gegebenenfalls auch die Zeit, in der er oder sie aufgenommen wurde, auf Anhieb zweifelsfrei zu identifizieren; von einer irgendwie gearteten Reduktion der Klangfarbenpracht ist weder bei natürlich noch bei künstlich erzeugten Klängen etwas zu merken.

 

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Bis hinunter in die tiefsten Tonlagen versteht es der Sequel, annähernd vollständige Klarheit über die aufgezeichneten Vorgänge zu vermitteln, egal, welche Platte gerade aufliegt. Staunte der Autor vor zwölf Monaten noch darüber, wie deutlich er mit dem kleinen Ingenium den Unterschied zwischen einem 3000-Euro-Tonabnehmer und einem für 1500 Euro nachvollziehen konnte, macht die Kombi aus Sequel und SME 309 jetzt erst recht klar, was alles noch an Klang in Letzterem steckt.

 

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Mit dem Sequel SP präsentiert Avid somit einen überzeugenden Kandidaten für den Fall, dass man sich als reif für seinen letzten Plattenspieler erachtet, ohne dabei im Hinblick auf das Preisschild, die Anforderungen an den Stellplatz und die Handhabung im täglichen Einsatz ins Utopische abzudriften. Sind der gerade fünfstellige Rechnungsbetrag erst mal bezahlt, das Laufwerk zusammengebaut und Tonarm und System justiert, wird er mit Sicherheit über Jahre hinweg der Fels in der Brandung sein – ohne effektheischend auf sich aufmerksam zu machen, aber auch ohne wirklich etwas zurückzuhalten."