05
SEP
2016
STEREO berichtet über die "Good - Better - Best"-Demonstration von AVID HIFI-Chef Conrad Mas

Der englische Hersteller von High End-Laufwerken AVID HIFI präsentiert seine Produkte auch in der Saison 2016/17 wieder bei verschiedenen Messen und Händler-Veranstaltungen im deutsprachigen Raum. AVID-Chef Conrad Mas verfolgt dabei das Prinzip "Good - better - best", um die Klangunterschiede seiner Produkte zu demonstrieren. Die Redaktion STEREO wohnte einem AVD-Event bei und berichtet hierüber ausführlich in der Ausgabe 10/2016:

 

"Besucher des vergangenen Krefelder Analog-Forums konnten Zeugen einer ganz besonderen Vorführung werden: In einem der kleineren Hotelzimmer gab’s großes Phono-Kino. Dort hatten Conrad Mas vom englischen Laufwerkspezialist Avid sowie sein hiesiger Vertrieb lDC Klaassen auf ‚Isoracks’ der Briten drei Plattenspieler mit identischen Tonarmen und MM-Abnehmern installiert, sodass nur die Laufwerke den Unterschied ausmachten. Den Einstieg bildete der flache, schwarze Diva II SP, ein starrer Spieler mit 6,3 Kilogramm Tellermasse und Elastomer-gelagerten Füßen für rund 4000 Euro ohne Tonarm und Abtaster.

 

Daneben spielte ein mit aufwendigem Subchassis für den 6,7-Kilo-Teller und den Arm ausgerüsteter Sequel SP, der das latente Taumeln seiner Schwingeinheit mittels lateral wirkender Gummiringe verhindert. Der Preis inklusive der hier noch stabiler und exakter ausgeführten Netzeinheit beträgt mit 7900 Euro knapp das Doppelte des Diva II SP. Und gar 14.500 Euro muss auf den Händlertresen blättern, wer seine Schallplatten von Avids großem Acutus SP hören möchte. Das chromschimmernde Schmuckstück lagert seinen auf Anregung behäbig auf und ab schwingenden Zehn-Kilo-Teller ebenfalls federnd und dämpft dabei ungewollte seitliche Auslenkungen.

 

Als Tonarme verwendete Conrad Mas bei seinen drei ‚Vinyl-Medien’ jeweils einen SME Series IV, dessen extrem resonanzarmes Magnesiumrohr, hochpräzise Lager und überhaupt lupenreine Verarbeitung die Kosten auf 3500 Euro treiben. Er passt optimal zu Avids nach ähnlichem Standard gefertigten Laufwerken, die deshalb von Haus aus mit SME-Basis geliefert werden. Vermeintliche ‚Mismatchings’ stellten allerdings die eingesetzten MM-Tonabnehmer dar: günstiges Nagaoka MP-150, das mit gerade mal 370 Euro nicht nur preislich aus dem Rahmen zu fallen schien.

 

‚Wir wollen zeigen, wie gut ein ordentlicher Abtaster in einem Top-Dreher klingen kann’, erklärte Mas den Aufwand, ‚und natürlich dem Vorurteil entgegenwirken, dass vor allem der Tonabnehmer für den Klang verantwortlich ist’. Tatsächlich glauben viele Plattenhörer, wenn Rumpeln oder Gleichlaufschwankungen unterhalb einer gewissen Marke liegen, seien klangliche Unterschiede zwischen Laufwerken nur marginal und die Entscheidung für ein größeres, aufwendigeres vor allem eine Frage der Optik oder des Prestiges.

 

Na, da sind sie bei dem Engländer genau an der richtigen Adresse. Der steckte flugs das Phono-Kabel um und führte mit einer Platte der amerikanischen Wahlkölnerin Amy Antin die Abstände zwischen seinen Drehern vor. Die fielen selbst über die aufgebaute kleinere Anlage erheblich aus. Wer hätte das gedacht?

 

Nun wissen auch wir nicht allein aus dem Linn-Diktum, dass das Laufwerk zuallererst den Klang bestimme, während die anderen Teile des Plattenspielers seinem Takt und Niveau folgten, um den Stellenwert des Antriebs. Doch so konsequent und eindeutig hatte uns dies lange niemand mehr vor Ohren geführt. Daraus entstand der Wunsch, dies im optimalen Umfeld unseres großen Hörraums nachzuvollziehen.

 

Und so veranstaltete diesmal ein Hersteller mit uns einen Workshop, bei dem alles wie oben beschrieben aufgebaut war. Als Entzerrer-Vorverstärker kam Avids ultimativer Pulsare Il Phono (um 6000 Euro) zum Einsatz, der die Signale über In-Akustiks superbes NF-2404 symmetrisch an den T+A-Amp PA3000HV leitete, der wiederum via LS-2404 ein Paar DALI Epicon 6 bespielte.

 

Und der Cross-Check verlief bei uns genauso eindeutig wie beim Krefelder Analog-Forum. Der mehrstündige Aufbau inklusive der peniblen Justage von Tonabnehmern und Subchassis führte zu raschen, klaren Ergebnissen. Bereits das erste Beispiel zeigte die Avid-Hierarchie eindrucksvoll auf: James Taylors ‚Her Town Too’ von der MFSL-Fassung seines Albums ‚Dad Loves His Work’. Dessen ebenso fulminante wie prägnante Basslinie brachte der Diva II SP sauber und knorrig ‘rüber. Das Klangbild geriet kompakt und knackig, hatte einen dynamischen, ansprechenden lmpetus.

 

Dennoch hätte nach dem Umstecken des Phonokabels an den Series IV auf dem Sequel SP – was den Übertragungsweg bis zum Tonarmsockel einheitlich hielt – die Sache schon beendet sein können. Denn nun tönte dieselbe Platte ungleich entspannter, entfaltete sich das räumliche Spektrum in jede Richtung. und auch wenn die tiefen Lagen nicht üppiger waren, gewannen sie auf dem größeren Subchassis-Laufwerk an Finesse und Grazie. Es war, als ob jemand Luft in die Darstellung des Diva II SP gepustet hätte, der ein klasse Dreher ist, wie wir seit dem Test in STEREO 9/15 wissen, wo wir ihn allerdings mit SMEs kleinerem M2-Arm, aber dem fast 900 Euro teuren Dynavector-MC DV-20X2L betrieben. Nun, für Unterschiede wie auf dem Silbertablett reicht offenbar auch Nagaokas MP-150, wobei die Darbietungen absolut betrachtet sehr ansprechend ausfielen.

 

Und schon gab’s den nächsten Wechsel. Würde sich der Acutus SP abermals absetzen? Er tat es mit einer Nachdrücklichkeit, die jede Diskussion erübrigte. Avids Großer brachte mehr Schwärze in die unteren Lagen sowie insgesamt mehr Energie und Strahlkraft in die Vorstellung. Stimmen hatten mehr Korpus. Klangen sonorer, und der Backgroundchor hinter James Taylor setzte sich nun wirklich von diesem ab. Der Weg zurück bestätigte das Gehörte, wobei der Auftritt des Diva II SP auf einmal geradezu mickrig und einfach gestrickt wirkte. Ihm fehlte einiges vom audiophilen Drumherum, das die Performance der Top-Dreher so reizvoll machte.

 

Wir stellten die phasenkorrekt angeschlossenen Netzteile auf 45 Touren um – die Drehzahlen hatten wir zuvor per Strobo-Scheibe überprüft und dabei exakt eingestellt – und legten die neue STEREO ‚Best of’-Hörtest-LP auf. Den Anfang machte das quirlige ‚Saturday Night’ mit seiner wunderbar spritzigen Live-Atmosphäre. Das knochentrocken eingefangene Vibrafon im Frühwerk aus der Hand des Recording-Genies Keith Johnson ließ der Diva II SP erfrischend ploppen, gruppierte die Band plastisch um dieses herum und platzierte das Publikum im Hintergrund. So far, so good! Doch erneut war’s mit dem Sequel SP ‚better’. Dieser vergrößerte die Abstände zwischen den Akteuren, sorgte damit für ein echtes Tiefenrelief und machte obendrein viel mehr Finessen der detailverliebten Aufnahme hörbar.

 

Doch schon war in unserem analogen Speed Dating der Acutus SP an der Reihe, der seinem eben noch so brillanten kleinen Bruder keine Chance ließ, indem er das Programm wirklich großen High Ends abzog. Vollkommen gelöst und mit totaler Selbstverständlichkeit, dabei jedoch bemerkenswert ausfinessiert sowie mit einem Timing, das die Mitte zwischen Gelassenheit und Konzentration fand, spielte er das ‚Saturday Night’ perfekt ‘runter. So klingt Phono at its ‚best’.

 

Ehrlich gesagt war spätestens nach dieser Performance unsere Lust auf die beiden kleineren Avid-Laufwerke geschmälert. Viel lieber wollten wir noch mit dem Acutus SP durch unsere Lieblingstitel kreuzen. Wunderbar, wie der bei ‚Warmth Of The Sun’ die weichen Stimmen wie lauen Sommerwind herüberwehen ließ. Der mehrstimmige Gesang wirkte per Sequel SP erheblich weniger emotional, und der des Diva II SP kam nicht mal in die Nähe, bildete enger und nüchterner ab. ‚Wenn man sich an den Klang des Top-Plattenspielers gewöhnt hat, wirkt der kleinere wie kaputt, oder?’, brachte es Conrad Mas selbst auf den Punkt. Da ist was dran. Ausladende Klangbilder waren bei ‚Out Of This World’ der Rockband The Cure wie auch dem Chadwicks Orchesterstück ‚Jubilee’ gefragt. Konnte der Sequel SP gerade noch den Kontakt zum freilich farbiger und in jeder Hinsicht opulenter aufspielenden Acutus SP halten, fiel der Diva II SP doch klar ab. Der mechanische Aufwand, der in 10.500 Euro Preisunterschied resultiert, macht sich drastisch bemerkbar. Deshalb rät Conrad Mas unbedingt zur Anschaffung eines möglichst hochwertigen Laufwerks. Okay, verstanden!

 

Dass es in diesem Vergleich um mehr ging als hifidele Unterschiede, sondern zugleich musikalische Aspekte betroffen waren, unterstrich Paul Simons live beim im ‚Concert In The Park’ vorgetragenen ‚America’. Der Acutus SP stellte den Musiker allein mit seiner Gitarre auf eine große Bühne. Die Intimität des stark reflexiven Vortrags war ungeheuer, als Simon von seinen kleinen Beobachtungen und Einsichten während einer nächtlichen Fahrt im Greyhound-Bus berichtete.

 

Der Sequel SP verkleinerte nicht nur den Rahmen. Über ihn hätte Simon auch die Erfahrungen eines Bekannten erzählen können. Es fehlte an Innigkeit, persönlicher Note. Diese vermittelt Conrad Mas’ großes Vinyl-Medium bereits mit einem Nagaoka MP-150."

 

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