Die Annahme, dass der Streaming-Markt gesättigt wäre, hält sich seit einiger Zeit hartnäckig. Natürlich, Streaming ist einfach, bequem und direkt. Aber die neuen Zahlen von Luminate widersprechen dieser Annahme. Streaming wächst weiter, das ist klar, es ist und bleibt die Lösung für den schnellen Moment der Musikwiedergabe. Du kommst nach Hause, hast dein Handy schon griffbereit, dein Streaming-Gerät wartet nur darauf, angesprochen zu werden. Aber die Haptik der CD bzw. der Vinylplatte ist etwas, was viele wieder für sich entdecken. Manche sogar erstmal nur als Sammlerstück. Doch die neuen Luminate-Zahlen zeigen: Streaming wächst zwar, aber die Qualität entscheidet.
2,8 Billionen Streams weltweit, eine leichte Beschleunigung gegenüber 2025 mit +9,8 %. Außerhalb der USA sogar +11,8 %. Was bedeutet das nun für uns als Musikliebhaber? Musik wird als tägliche Infrastruktur wahrgenommen, und man achtet nun mehr auf eine bessere Wiedergabe. Hierfür werden des Öfteren Qobuz/Tidal als Streaminganbieter genutzt, aus dem einfachen Grund, dass sie bekanntermaßen die hochwertigste Streaming-Qualität bieten. Netzwerkplayer/Streamer werden genutzt, und stabile Heimnetzwerke für die volle Kontrolle eingesetzt. Der Wunsch nach mehr Qualität, besserer Wiedergabe liegt hier im Detail, und ist das nicht auch ein Teil dessen, was in unserer analogen Welt gerne als das Nonplusultra bezeichnet wird? Nach oben ist keine Grenze, aber irgendwo muss man anfangen, oder nicht? Und dafür sprechen auch die steigenden Zahlen bei den CDs.
Was wir natürlich in diese ganzen Zahlen mit einbeziehen müssen, um transparent zu bleiben, ist, dass die K-Pop-Collectibles einen großen Anteil an den steigenden Zahlen haben. Fanmerch ist so beliebt wie nie, und wenn CDs vor allem als limitierte Sammler-Edition gekauft werden, sind sie dann für den eigentlichen Audio-Markt verloren, schön verpackte Deko statt tatsächlich gehörter Musik? Ganz bestimmt nicht, aber wir müssen diesen Fanmerch-Gedanken bewusst mit einbeziehen, sonst erzählen wir nur die halbe Geschichte.
Ohne die Fan-Sammler liegt das Wachstum bei guten 6,7 %, und die CD ist in den USA im ersten Halbjahr dieses Jahres um 16 % gegenüber dem Vorjahr gewachsen, das sind 16,3 Millionen Einheiten. Die Vinylplatte dagegen ist tatsächlich „nur“ 2,4 % gewachsen. Laut Luminate ist die CD damit sogar 7x schneller gewachsen als die Vinylplatte, eine Zahl, die man angesichts der ganzen Vinyl-Euphorie der letzten Jahre nicht unbedingt erwartet hätte. Und selbst wenn ein Teil davon Fanmerch ist: die verbleibenden 6,7 % zeigen, dass da noch etwas Anderes passiert. Viele Künstler haben verstanden, dass ihr Publikum nicht nur sammeln, sondern auch wirklich hören will, entsprechend hochwertiger werden auch reguläre CD-Pressungen wieder produziert. Und genau hier kommt ins Spiel, was in der Praxis oft unterschätzt wird: ein guter CD-Transport bzw. DAC macht bei diesem Format einen mindestens genauso großen Unterschied wie beim Streaming, Lossless-Qualität, aber ganz ohne Plattformabhängigkeit, Algorithmus oder Internetverbindung. Wer einmal den Unterschied zwischen einem mittelmäßigen Player und einem sauber ausgelesenen CD-Signal gehört hat, weiß: Die CD ist alles andere als ein alter Schuh.
Und genau darin liegt für uns als HiFi-Branche eine echte Chance: Ein Markt, der wieder mehr physische Tonträger kauft, ob CD oder Vinyl, ist auch ein Markt, der grundsätzlich offener für das Thema Wiedergabequalität ist. Ob CD-Transport und DAC oder Plattenspieler und Phonovorstufe, wer überhaupt wieder zur CD oder zur Platte greift, ist leichter für die Frage zu begeistern, wie man sie richtig gut klingen lässt. Und genau darin liegt für uns als HiFi-Branche eine echte Chance: Ein Markt, der wieder mehr physische Tonträger kauft, ist auch ein Markt, der grundsätzlich offener für das Thema Wiedergabequalität ist. Ob CD-Transport, DAC oder das gesamte Setup drumherum.
Wenn man heute im Social Media im Rabbit Hole „Musik“ und „Musikwiedergabe“ viel Zeit verbringt, dem wird relativ schnell auch elektronische Musik eingespielt. Der Algorithmus unterstützt viele Konzertmitschnitte von Festivals und mitreißende Intros. Zu diesem Trend passen die Daten von Luminate, aus denen eindeutig hervorgeht, dass Dance/Electronic in den USA das größte Wachstumsgenre 2026 ist. Heißt das jetzt, dass wir damit rechnen müssen, dass wieder „mehr Bass“ gefordert wird? Definitiv nicht, denn auch hier geht der Trend eher zu einer genaueren Wiedergabe: zu sauberem Tiefbass, Impulstreue und Räumlichkeit. Der Fokus liegt auch hier auf der Verbesserung der tonalen Wiedergabe. Hier werden auch hochwertige Stromversorgung, Verstärker und Lautsprecher interessant. Bring das Konzert zu dir nach Hause, so genau und mitreißend wie möglich. Ist es nicht der Gedanke, der uns als Branche überhaupt erst in Erscheinung treten lässt?

Luminate betont auch, dass die Vielfältigkeit der Musik weltweit neutrale Wiedergabe immer wichtiger erscheinen lässt. Bad Bunny hat mit seinem neuen Album einen Trend losgetreten, der sich jetzt sogar in den Zahlen wiederfindet: der spanische Anteil liegt bei ca. 1 von 10 US-Streams, die Latin-Reichweite steigt. Dass das kein rein amerikanisches Phänomen ist, zeigt sich auch bei uns: nach seinem Super-Bowl-Auftritt im Februar eroberte Bad Bunny direkt die Doppelspitze der Offiziellen Deutschen Charts, mit Single und Album gleichzeitig auf Platz 1 und sieben weiteren Songs in den Top-Charts. Die Streams stiegen dabei binnen einer Woche um 330 Prozent. Passend dazu war sein Album kurz zuvor sogar als Vinyl-Reissue neu aufgelegt worden, ein schönes Beispiel dafür, wie Streaming und physische Sammlung Hand in Hand gehen können. Englische Streams befinden sich sogar auf einem Rekordtief von nur 87,1 Prozent. Laut dem Bericht ist die Schweiz einer der vielfältigsten Märkte, was Streaming angeht. Was das nun mit allem zu tun hat? Man sollte einfach kein Genre bevorzugen, die Zahlen zeigen, weltweit gesehen ist die Vielfalt größer als gedacht.
Um bei den Streams zu bleiben, erwähnt Luminate natürlich auch die KI-generierten Musikstücke, die ja gerade auf den Streamingplattformen wie Tidal (seit 15.07.2026 keine Royalties mehr für vollständig KI-generierte Tracks, Kennzeichnungspflicht, Positionierung als Schutz „organischer Kreativität“) und Spotify (UMG-Deal, KI-Remixes/Covers, „ein Song wird zu 10.000″, Aktienkurs plus 18 Prozent, aber 75 Millionen Spam-Tracks gelöscht) für Gesprächsstoff sorgen. Je mehr KI-Content im Umlauf ist (worum sich die Plattformen zwar gerade bemühen, was aber bei der schieren Zahl an Uploads schwierig zu filtern ist), desto mehr muss die Betonung auf echten Aufnahmen liegen. Und hier sprechen die aktuellen Zahlen für sich!
Zusammengefasst: der Mix macht es! Luminate bestätigt dies mit den halbjahres Zahlen. Hochwertige Wiedergaben liegen mit der Ausseinandersetzung des Tonträgers im Trend, das Upgrade ist in den Köpfen. Wir sind gespannt was Luminate für das zweite Halbjahr für Zahlen bereitstellt. Wir bleiben am Ball!
Quellen:
https://luminatedata.com/blog/luminate-2026-midyear-report-trends-in-music-television-film/
https://techcrunch.com/2026/06/29/tidal-cracks-down-on-ai-music-by-cutting-off-monetization/
Bildmatrial: CANVA Pro
Autorin: Christina Stamms-Klaassen
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