Das Online-Portal hifi.de veröffentlicht im Oktober 2026 einen Test des Vollverstärkers Canor Virtus I4S. Zur Einstimmung hier die viel sagenden Zwischenüberschriften aus dem Text des begeisterten HiFi-Redakteurs Bernhard Rietschel: „Der Phono-Eingang kann mehr als mancher Solo-Preamp – Kräftig und universell kombinierbar – Neutral, aber nicht seelenlos – Verblüffend ausgereiftes Bedienkonzept.“ Hier weitere Auszüge aus dem Hörtest:
„Das JJ-Cale-Album ‚Naturally‘ haben wir in der ersten deutschen Vinylpressung auf Philips vorliegen. Als Spieler verdingt sich zunächst der Rega Planar 2 samt hauseigenem MM-System Nd3. Der relativ preiswerte englische Spieler klingt am Canor besser als an den meisten anderen Vollverstärkern. Grund ist das exzellent klingende Phonoteil, das im MM-Modus sehr rauscharm (eigentlich schon rauschfrei) arbeitet und ungewöhnlich klar differenziert, ohne dabei zu schlank oder unausgewogen zu klingen. Also eher so, wie wir das sonst von guten externen Phono-Vorverstärkern gewohnt sind.
Vom perfekt stimmigen, unkomplizierten P2 geht’s zum noch ruhiger laufenden, ungleich höher auflösenden Rega Planar 6 RS mit MC-System Ania. […] Die überlegende Dynamik des Oberklasse-Rega ist mit dem Canor, nun im MC-Modus, nicht zu überhören.
Auch bei fordernder Musik und ambitionierten Pegeln behält der slowakische Edel-Amp stets seinen vornehmen, stimmigen Grundcharakter bei. Im Grunde spielt er absolut neutral. Falls er sich überhaupt Abweichungen tonaler Natur genehmigt, gehen diese in eine minimal warme, samtige Richtung. Auch im Bass genießen Kontrolle und Tonhöhendefinition Vorrang vor rohen Machtdemonstrationen. Die wahre audiophile Seele dieses Amps lebt jedoch im Mittelton, wo ihm eine herrliche, körperhafte Intensität gelingt.
Stimmen und Instrumente entfalten sich absolut glaubwürdig, ohne die verräterischen Klirr-Krönchen, die weniger gelungene Amps auf den Schallwellen hinterlassen. Beim ersten Reinhören könnte man den Canor Virtus I4S fast schon zu unauffällig finden. Das ist ein gutes Zeichen.
Daran erkennt man oft Verstärker, die kein Aufsehen erregen, sondern möglichst vollständig aus dem Geschehen verschwinden wollen. Nur mit seinen warmen Klangfarben und den griffigen, fast am Ohr klebenden Texturen akustischer Instrumente hinterlässt der Canor eine dezente, kultivierte Visitenkarte.
Fazit
Beiläufig auf dem Sideboard oder im Rack betrachtet, schreit das zurückhaltende Design des Virtus nicht unbedingt nach Aufmerksamkeit. Die Bewunderung wird aber immer stärker, je näher du dem wunderschön aufgebauten Gerät kommst, und je mehr du mit seinem ausgereiften Bedienkonzept interagierst. Unauffällig, zugleich tiefgründig und ausgewogen präsentiert sich der Canor-Amp auch klanglich. Ein guter Kopfhörerausgang und sein vollwertiger, anpassbarer Phono-Eingang machen den Canor Virtus I4S zu einem echten Vollverstärker im klassischen Wortsinn. Seine kräftigen, laststabilen Endstufen kommen mit jedem Lautsprecher zurecht, was deine Anlagenplanung erheblich erleichtern kann.
Vorteile
+ Leicht warmer, griffiger, fein strukturierter Klang
+ Hervorragend klingender, anpassbarer MM/MC-Phono-Eingang
+ Elegantes Bedienkonzept
+ Perfekte Verarbeitung
Nachteile
– Keine digitalen Eingänge
Ergebnis
sehr gut, Note 8,9“
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